Umkämpfter Markt (SZ-Artikel v. 08.06.2012)

Wir wurden von der Süddeutschen Zeitung um eine Stellungnahme bzgl. Zweirad Stadler in München gebeten.
Leider wurden wichtige Teile unseres Artikels nicht so in dem von der SZ veröffentlichten Beitrags wiedergegeben.

Hier die Original-Version unseres an die SZ übermittelten Artikels:

"Wir heißen Fahrrad Stadler herzlich willkommen in unserer Weltstadt mit Herz. Unsere Gesellschaft befindet sich im ökologischen Wandel und dabei wird das Fahrrad, Pedelecs und eBikes sowie die Elektromobilität im allgemeinen in Bezug auf den Nah- und Individualverkehr eine immer tragendere Rolle spielen, nicht nur aufgrund steigender Benzinpreise, sondern auch im Hinblick zunehmender Umwelt- und Gesundheits-Sensibilität der Münchner Bürgerinnen und Bürger.

Jeder der hier mithilft diesen Wandel mitzugestalten bzw. voranzutreiben ist uns willkommen. Die Reviere sind dabei gerade hinsichtlich des ökologischen Aspekts klar abgegrenzt, oder welcher vernünftige Bürger würde sein Fahrrad von z.B. Trudering nach Obermenzing (womöglich noch mit dem Auto) bringen wollen, um eine Wartung oder eine Reparatur durchführen zu lassen? Jeder lokale Fahrradhändler hat hier seine Daseinsberechtigung, da er in seinem Einzugsgebiet die entsprechenden Dienstleistungen anbieten und erbringen kann. Natürlich freut sich der Händler umso mehr, wenn er die Wartung an einem von ihm erworbenen Zweirad durchführen darf, da die Produktkompetenz bei zunehmender Spezialisierung auch vorgehalten werden muss. Ein rasanter technologischer Wandel vollzieht sich gerade im Pedelec- bzw. eBike-Segment.

Den Händler seines Vertrauens kennt man i.d.R. persönlich. D.h. die Namen der Mitarbeiter sind auch noch nach Jahren den Gesichtern zuzuordnen. Unsere Kundschaft kauft deshalb bei uns schon in der 3. Generation. Tradition verpflichtet und deshalb wollen wir unseren Kunden auch weiterhin die drei Tops anbieten: Top-Beratung, Top-Preise, Top-Service - denn billig war gestern und fair ist heute - das ist der Geist der heutigen Zeit."

... und hier der Beitrag, wie er von der SZ (im Münchner Teil) vom 08.06.2012 veröffentlicht wurde:

"Umkämpfter Markt

Zwei große Fahrradhändler streiten darüber, wie sie ihre Ware auszeichnen dürfen

Von Jutta Czeguhn

'Wir heißen Fahrrad Stadler herzlich willkommen in unserer Weltstadt mit Herz', lässt ein Konkurrent, die Fahrrad-Abholmarkt Zimmermann GmbH, verlauten. Doch insgesamt ist die Begrüßung für Zweirad Stadler nicht ganz so überschwänglich ausgefallen. Der Regensburger Händler, der sich selbst als 'Deutschlands führendes Unternehmen in der Zweirad/Fitness-Branche' bezeichnet, hat am 24.Mai seine erste Münchner Filiale eröffnet, im früheren Metro-Markt an der Peter-Anders-Straße in Pasing. Just an dem Tag schneite Geschäftsführerin Caroline Elleke, der Tochter von Firmenchef Helmut Stadler, eine einstweilige Verfügung wegen unlauteren Wettbewerbs ins Haus. Erwirkt vor dem Landgericht München I von der Lucky Bike-Radlbauer GmbH, dem Platzhirschen auf dem Münchner Fahrradmarkt. Die Branche dürfe sich nicht 'mit unnötigen Preis-Showkämpfen selbst kaputtmachen', sagt Radlbauer-Gründer Thomas Böttner.

Stadler wird vom Gericht die Werbung für reduzierte Eröffnungsangebote mit unverbindlichen Preisempfehlungen des Herstellers für ihre Hausmarkten 'Exte', 'Triumph' und 'Bike Manufaktur' untersagt. Bei Radlbauer hält man die Stadlerschen Streichpreise für 'Mondpreise' und spricht von einer 'Irreführung potenzieller Käufer'. Wer könne denn sagen, ob der durchgestrichene Ursprungspreis je verlangt worden sei? 'Der Fahrradhandel darf seine Chance nicht verspielen, dass er selbst die Geiz- und Billig-Spirale in Gang setzt, wie es zuvor der Elektronik- und der Möbelhandel getan haben - mit dramatischen Folgen nicht nur für den Handel selbst, sondern auch für die Hersteller und deren Zulieferer', teilt Böttner mit.

Wie Radlbauer betreibt auch Stadler - vor 76 Jahren als Familienunternehmen in Regensburg gegründet - deutschlandweit mittlerweile 14 Filialen. Über den Gegenwind am neuen Standort München ist Expansionschefin Elleke nicht sonderlich überrascht. Selbstverständlich, sagt sie, bewerbe man auch Marken, die von der Unternehmensgruppe im Laufe der Jahre gekauft worden seien. 'Es wird wie bei unseren Mitbewerbern in Deutschland und auch in München der eigentliche Wert gestrichen und der Preisvorteil an den Kunden weitergegeben und auf dem Etikett dargestellt.' Es sei verständlich, dass ein starker Wettbewerber wie Stadler sehr kritisch von der Konkurrenz beäugt werde. 'Nachdem wir keinerlei Kleinkrieg möchten, werden wir, wenn gefordert, selbstverständlich eine entsprechend andere Preisdarstellung wählen', so Elleke.

Der Anteil der Fahrradfahrer am Straßenverkehr hat sich in München und Umgebung in den vergangenen Jahren fast verdoppelt. Geht es nach dem aktuellen Nationalen Radverkehrsplan, der diese Woche vorgestellt wurde, sollen noch mehr Menschen aufs Radl umsteigen. Laut Zweirad-Industrie Verband (ZIV) sind vor allem hochwertigere Räder beziehungsweise Elektro-Räder gefragt. In der Münchner Zweiradbranche fallen die Reaktionen auf den neuen Mitbewerber und den Radlbauer-Vorstoß unterschiedlich aus. Bei der Zimmermann GmbH, die Filialen in Trudering, Unterschleißheim und am Isartor unterhält, zeigt man sich entspannt. Die Reviere seien 'klar abgegrenzt'. Beratung und Vertrauen zum Händler seien wichtig, nicht so sehr der Preis. Ein anderer Mittelständler, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, beschreibt den Münchner Markt als 'mehr als abgedeckt' und den Wettbewerb 'in erster Linie darwinistisch'. Der Konflikt Radlbauer/Stadler sei eine 'Posse und eine Freude für die Rechtsanwälte und Gutachter'. Die beiden Unternehmen seien im Grund sehr eng verbunden über ihre Zentrale Einkaufsgenossenschaft (ZEG) und sollten sich da eigentlich arrangieren können."